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Betroffene von sexuellem Missbrauch:Vorwürfe gegen ehemaligen Jugendseelsorger - Hilfe bei Aufklärung

Dem Erzbistum Köln liegen Meldungen zu sexuellem Missbrauch vor, die sich gegen einen zwischenzeitlich verstorbenen Priester richten: Pfarrer P. war in den 1970er Jahren auch in der Jugendseelsorge in Bonn tätig. Nun bittet das Erzbistum um Unterstützung bei der Aufklärung. Mögliche, bisher unbekannte Missbrauchsbetroffene können sich melden.
Prävention und Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs
Datum:
29. Juni 2022
Von:
Christian Jasper

Missbrauchsvorwürfe gegen ehemaligen Stadtjugendseelsorger

Prävention im Erzbistum Köln

Der Stabsstelle Intervention des Erzbistums Köln liegen Meldungen zu sexuellem Missbrauch durch den zwischenzeitlich verstorbenen Pfarrer P. vor. In den 1970er Jahren war P. auch in der Jugendseelsorge in Bonn tätig. Nun bittet das Erzbistum um Unterstützung bei der Aufklärung. Mögliche, bisher unbekannte Missbrauchsbetroffene können sich melden.

Bei dem Priester handelt es sich um den im Februar 2019 verstorbenen Pfarrer P. Er wird beschuldigt, einen schutzbedürftigen Erwachsenen in den 70er-Jahren sexuell missbraucht zu haben. Die betroffene Person hatte sich im Jahr 2012 an das Erzbistum Köln gewandt. Daraufhin wurde seitens des Erzbistums ein Verfahren eingeleitet und das Ergebnis der Untersuchung der Glaubenskongregation in Rom übermittelt.

Im Laufe des Verfahrens konnte aufgrund fehlender Erinnerung der betroffenen Person nicht abschließend geklärt werden, ob sie zum Tatzeitpunkt das 18. Lebensjahr bereits vollendet hatte. Da die Person aber im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses für P. tätig war, handelte es sich in jedem Falle um einen schutzbedürftigen Erwachsenen. Kardinal Joachim Meisner erteilte P. im Februar 2014 einen Verweis und erlegte ihm eine Geldstrafe auf. Zusätzlich wurde dem Pfarrer, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Ruhestand befand, der Kontakt mit Minderjährigen ohne Anwesenheit weiterer erwachsener Personen verboten.

Im Rahmen der Aufarbeitung des Erzbistums Köln wurde der Fall im Jahr 2018 der zuständigen Staatsanwaltschaft nachgemeldet, welche aufgrund bereits eingetretener Verjährung keine Ermittlungen aufnahm. Im Jahr 2021 ergaben sich Hinweise auf mögliche weitere Betroffene, welchen die Stabsstelle Intervention nachgegangen ist. Da P. zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war und seine Tätigkeit sich weit über das Erzbistum Köln hinaus erstreckte, wiesen die notwendigen Recherchen eine hohe Komplexität auf.

Nach Abschluss der Recherchen wird nun die Öffentlichkeit informiert. Auch wenn bei bereits verstorbenen Beschuldigten eine abschließende Klärung nur in seltenen Fällen möglich ist, sieht sich das Erzbistum Köln den Betroffenen von sexualisierter Gewalt gegenüber in der Pflicht, allen Hinweisen nachzugehen, um den Sachverhalt möglichst umfänglich zu klären. Es nimmt jeden Fall oder Verdacht von sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt sehr ernst und möchte jedem einzelnen Betroffenen die notwendige Hilfe und Unterstützung zukommen lassen. Denn nur durch konkrete Hinweise kann jeder (Verdachts-)Fall möglichst umfassend aufgearbeitet werden.

Scham und Bedauern

"Ich bedauere es zutiefst, dass junge Menschen auch innerhalb unserer Kirche zu Betroffenen von sexuellem Missbrauch wurden. Ich schäme mich dafür, dass Priester auf diese Art und Weise das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen ausgenutzt haben und die Täter oft nicht angemessen zur Rechenschaft gezogen wurden", erklärt Stadtjugendseelsorger Dr. Christian Jasper. Zugleich verspricht er: "In der Stadtjugendseelsorge und im BDKJ unternehmen wir alles in unserer Macht Stehende, damit schutzbedürftige Menschen bei uns sicher sind. Betroffene verdienen alle nötige Hilfe und Unterstützung. Außerdem müssen alle Vorwürfe, wo immer möglich, aufgeklärt werden, um Strukturen zu ändern, die Missbrauch erst ermöglichen."

Ansprechpersonen für Missbrauchsbetroffene

Mögliche, bisher unbekannte Betroffene sind aufgerufen, sich bis zum 10.07.2022 zu melden, um so zur Aufklärung beizutragen. Unter anderem war Pfarrer P. von 1971 bis 1972 Kaplan an St. Joseph, Bonn, und Stadtjugendseelsorger in Bonn. Später war er unter anderem Rektor der Jugendbildungsstätte Haus Altenberg Präses des BDKJ-Diözesanverbandes. Aus diesem Grund ermutigt und bittet das Erzbistum Köln Betroffene und/oder Zeugen, sich an die unten genannten externen Ansprechpersonen zu wenden:

Frau Tatjana Siepe

Telefon 0172 290-1248

tatjana.siepe@erzbistum-koeln.de

 

Herr Peter Binot

Telefon 0172 290-1534

peter.binot@erzbistum-koeln.de

 

Selbstverständlich kann man sich auch an Hilfe-Hotlines außerhalb der Kirche wenden, etwa:

Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch
Anrufen - auch im Zweifelsfall
Tel. 0800 22 55 530 (Telefonzeiten: Mo., Mi., Fr.: 9.00 bis 14.00 Uhr, Di, Do: 15.00 bis 20.00 Uhr)

 

Du willst über diese Themen sprechen? Dann wende ich jederzeit gerne - auf Wunsch auch vertraulich - an Stadtjugendseelsorger Dr. Christian Jasper.

Dr. Christian Jasper

Stadtjugendseelsorger
Gerhard-von-Are-Str. 5
53111 Bonn
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